Überblick Bensheim

Marktplatz soll wieder lebendiger Treffpunkt sein

Rückfragen und Kontakt

„Wir wollen in der Innenstadt etwas bewegen“, sagt Bürgermeister Rolf Richter zu den Plänen rund um den Marktplatz. „Es hat sich ein Zeitfenster geöffnet, das wir jetzt nutzen möchten. Wir erhoffen uns für die gesamte Innenstadt einen Impuls“, so Richter. Den städtischen Gremien wurden Planungen vorgelegt, nach denen die Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Bensheim (MEGB) die Gebäude Hauptstraße 27 und Schuhgasse 11 (ehemaliges Kaufhaus Krämer) kaufen soll. Die städtische Tochtergesellschaft soll ebenfalls die bebauten Grundstücke Marktplatz 2 und Marktplatz 3 ankaufen. Das Haus am Markt soll zurückgebaut und durch einen Neubau ersetzt werden.

„Innenstädte sind für die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger und als Treffpunkt für einheimische und auswärtige Gäste von herausragender Bedeutung. Durch den immer stärker werdenden Onlinehandel ist die Attraktivität von Innenstädten aber auch gefährdeter denn je“, benennt Richter die Beweggründe der Planungen. Damit die Bensheimer Innenstadt weiterhin mit einem attraktiven und breit gefächerten Angebot die Menschen in das Zentrum der Stadt lockt, wollen sich die Stadt Bensheim und die MEGB noch aktiver einbringen, wie es in einer Stellungnahme der Stadt heißt. „Wir wollen Handlungsfähigkeit gewinnen und sollten unseren Gestaltungsspielraum gerade an so markanten Plätzen wie dem Marktplatz nutzen“, betont Erster Stadtrat Helmut Sachwitz. „Billigläden würde es in diesem Umfeld mit uns jedenfalls nicht geben.“

Durch die Aktivitäten der Stadt sollen Impulse ausgelöst werden, die auch auf privater Seite zu Investitionen führen sollen. Bensheim hat das Potential, mit einer gut frequentierten Innenstadt weiterhin ein Anziehungspunkt zu sein, ist man sich im Rathaus sicher. Um diese Aufgaben zu erfüllen, wird die MEGB um ein Geschäftsfeld erweitert, damit Immobilien erworben und entwickelt werden können. Finanziert werden die Projekte aus den Erträgen, die die MEGB aus der Vermarktung von Gewerbegrundstücken erwirtschaften und bereits erwirtschaftet hat. „Dieses Geld wäre in unserer Innenstadt bestens angelegt“, sagt MEGB-Aufsichtsratsvorsitzender Adil Oyan. Ein Sanierungs- und Nutzungskonzept wird erarbeitet, bei der Entwicklung der Immobilien wird eine Zusammenarbeit mit privaten Dritten, bevorzugt Bensheimer Bürgern, angestrebt. Eine finanzielle Beteiligung in geeigneter Form ist vorgesehen.

Die Grundstücke Hauptstraße 27 und Schuhgasse 11 haben eine Grundstücksfläche von über 700 Quadratmetern. Die Bebauung zählt drei Vollgeschosse und ein Dachgeschoss. Im Erdgeschoss ist ein vermietetes Ladengeschäft, im Nebengebäude sowie den Obergeschossen gibt es etwa 1.500 Quadratmeter Entwicklungsmöglichkeiten, die sowohl als Ladengeschäft, zur Büronutzung oder auch zum Wohnen geeignet sind. Aufgrund der aktuellen Vermietungssituation und des Gebäudezustandes ist mit einer mittelfristig angelegten Entwicklung des Gebäudekomplexes zu rechnen.

Das Haus am Markt soll zukünftig mit Familienzentrum, Tourist-Infozentrum, einem Gemeinschaftsraum und einer gastronomischen Nutzung zu einem offenen Treffpunkt werden.

Die Realisierung der Gesamtkonzeption durch die MEGB ist aufgrund der positiven Geschäftsentwicklungen und einer stabilen Liquiditätssituation gesichert. Diese erlaubt auf wirtschaftlich gesunder Grundlage eine Investition dieser Größenordnung in den Einzelhandels- und Wirtschaftsstandort Innenstadt. „Wir wollen Bensheims gudd Stubb auf Vordermann bringen“, sagt Rolf Richter.

Fragen & Antworten

Zur Absicherung eines möglichen Kaufs und der Kaufvertragsbedingungen hat die MEGB einen Kaufvertrag mit aufschiebender Wirkung abgeschlossen, der dann gültig wird, wenn die politischen Gremien über die Vorlage beraten und abgestimmt haben.

Kosten (Inkl. Nebenlosten): 1.994 Millionen Euro.

Die Bebauung zählt drei Vollgeschosse zuzüglich eines Dachgeschosses. Im Erdgeschoss ist ein vermietetes Ladengeschäft mit circa 410 Quadratmetern Fläche. Im Nebengebäude sowie den Obergeschossen gibt es etwa 1.500 Quadratmeter. Ein Sanierungs- und Gesamtnutzungskonzept wird erarbeitet.

Den Eigentümern der Gebäude Marktplatz 2 und Marktplatz 3 wurde ein grundsätzliches Kaufinteresse der MEGB signalisiert. Die Eigentümer haben sich über die finale Verwertung noch nicht entschieden.

Haus am Markt

Das neue Haus am Markt soll durch das Back- und Brauhaus Drayß, das Familienzentrum und den Hospizverein für Frequenz am Marktplatz sorgen. "Es hat sich jetzt eine Gruppe gebildet, die gemeinsam die Ziele für einen lebendigen Marktplatz erreichen will", sagt Bürgermeister Rolf Richter, der betont: "Wir können die Wünsche nach dem freien Blick auf St. Georg sehr gut nachvollziehen, sehen darin aber keine Möglichkeit, so den Marktplatz zu beleben."
Friedel Drayß, in der Region bekannt durch das Back- und Brauhaus Drayß in Lorsch – und mittlerweile auch in Bürstadt vertreten –, will mit einem für Bensheim maßgeschneiderten Konzept auch in der größten Stadt an der Bergstraße sein Erfolgsrezept etablieren. „Natürlich soll dies in Anlehnung an unsere Häuser in Lorsch und Bürstadt passieren, aber jeder Betrieb bekommt seinen eigenen Charakter“, sagt Friedel Drayß. Er betont: „Wir können uns das in Bensheim am Marktplatz sehr gut vorstellen.“ Geplant ist ein ganztägiges gastronomisches Angebot im Erdgeschoss mit Außengastronomie. Er sieht sich eindeutig nicht als Konkurrenz für andere Gastronomen, sondern will gemeinsam mit allen anderen für eine Belebung der Innenstadt sorgen. In Lorsch kommen täglich 250 Gäste ins Back- und Brauhaus. Rolf Richter freut sich, dass ein erfolgreiches und in der Region verwurzeltes Unternehmen am Bensheimer Marktplatz ansässig werden will. Die beiden anderen Geschosse teilen sich das Familienzentrum und der Hospizverein auf.
„Bensheim boomt, Familien boomen. Wir freuen uns auf Synergien mit den anderen Mietern und wir freuen uns, Familien an einen so zentralen Platz in Bensheim zu bekommen", sagt Vorsitzende Birgit Siefert.
Dr. med. Wolfgang Nieswandt vom Hospizverein Bergstraße sagt: „Wir sind froh über die Gelegenheit, die wir mit den neuen Räumlichkeiten bekommen.“ Verwaltungs- und Akademieräume des Hospizvereins sollen im Haus am Markt untergebracht werden. Der für die Öffentlichkeit vorgesehene Raum bleibt bestehen und wird zur Hälfte von den beiden Vereinen genutzt.

Ein Abriss bringt keine Belebung des Marktplatzes und die Belebung ist das oberste Ziel. Hinzu kommen wirtschaftliche Gründe: Neben den Abriss- und Herstellungskosten eines Platzes fehlt ein wirtschaftlicher Gegenwert.