Karl Kübel Preis 2016 an Peter Maffay

Auf ihrer Jahrespressekonferenz hat die Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie heute in Bensheim den Karl Kübel Preisträger 2016 bekanntgegeben. Peter Maffay wird in diesem Jahr den mit 25000 Euro dotierten Preis für sein außergewöhnliches und vielfältiges Engagement für traumatisierte Kinder weltweit erhalten. Der Karl Kübel Preis wird zusammen mit dem Dietmar Heeg Medienpreis am 16. September 2016 in Bensheim vergeben.

1990 wurde der Karl Kübel Preis zum ersten Mal vergeben, insgesamt 15 Mal an Initiativen aus dem Bereich Kind und Familie. Seit 2015 zeichnet die Karl Kübel Stiftung mit dem Preis prominente Persönlichkeiten für ihr überdurchschnittlich hohes Engagement für Kinder und Familien aus. "Die Stiftung würdigt mit dem diesjährigen Karl Kübel Preis insbesondere Peter Maffays langjährigen und persönlichen Einsatz auf unterschiedlichen Ebenen, durch den er viele Menschen bewegt, ebenfalls tätig zu werden", begründet Daniela Kobelt Neuhaus vom Stiftungsvorstand die Entscheidung.

Seit 2000 kümmert sich Peter Maffay mit seiner gleichnamigen Stiftung in verschiedenen Ländern um benachteiligte und traumatisierte Kinder und nennt dies "eine Herzensangelegenheit". Die Stiftung bietet den Kindern und Jugendlichen Schutzräume, denn: "Kinder haben es nicht in der Hand, in welche Lebensumstände sie hineingeboren werden. Wir helfen Kindern, die in Not geraten sind", sagt der Musiker. Dabei spielt Tabaluga, der kleine grüne Drache, zwei wichtige Rollen. Tabaluga steht für Musik, die Klein und Groß ansprechen möchte, Tabaluga ist aber "auch ein Symbol für diejenigen Werte, die unserer Stiftung wichtig sind: Freundschaft, Toleranz, Gewissenhaftigkeit, Achtsamkeit und Verantwortung für unsere Umwelt und unsere Mitmenschen", so Maffay. Das Preisgeld, kündigt er an, wird in seine Stiftung fließen.

Ergänzend zum Karl Kübel Preis vergibt die Karl Kübel Stiftung zum zweiten Mal den mit 10000 Euro dotierten Dietmar Heeg Medienpreis, der Beiträge würdigt, die Kinder und Familien in besonderer Weise in den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung stellen. Die Beiträge aus Funk, TV, Print oder Online sollen sich in herausragender und beispielhafter Art mit der Situation von Eltern und Kindern auseinandersetzen und das öffentliche Bewusstsein für Talente und Interessen von Familien schärfen. Noch bis 31. März können sich Medienschaffende mit ihren Beiträgen bewerben.

Im Rahmen ihrer Jahrespressekonferenz gab die Karl Kübel Stiftung auch bekannt, welche Themen 2016 im Fokus ihres weltweiten Engagements stehen. "Ankommen in Deutschland" ist das eine große Thema, "Fluchtursachen bekämpfen" das zweite. Mit ihrer Projektarbeit im Inland möchte die Stiftung Familien Orientierung geben - zum Beispiel mit ihren Drop In(klusive). Das sind offene und kostenfreie Treffs für Eltern mit Kindern unter drei Jahren, in denen sie einen niedrigschwelligen Einstieg in sozialräumliche Kontakte und den Zugang zu regionalen Angeboten finden. Qualifizierte Elternbegleiterinnen organisieren und begleiten die Treffen. "Der Name 'Drop In' ist Programm: Niemand soll aus der Gesellschaft herausfallen - 'Drop out'. Vielfalt ist erwünscht", erläutert Kobelt Neuhaus. Zehn solcher Treffs gibt es bereits in Hessen und Rheinland-Pfalz. Weitere sollen bundesweit folgen.

Im Ausland setzt die Stiftung bei der Bekämpfung der Fluchtursachen an. Sie möchte Menschen stärken und verhindern, dass sie ihre Heimat verlassen und sich auf die gefährliche und oftmals aussichtslose Reise nach Mittel- und Nordeuropa machen. Seit vielen Jahren betreibt die Stiftung ein Projekt im Kosovo, das durch den Abbau von Diskriminierung der Minderheiten, durch Integration und Bildungsförderung aktiv zur Vermeidung von Fluchtursachen beiträgt. Gemeinsam mit ihrer lokalen Partnerorganisation setzt die Stiftung im Westkosovo das Projekt zur "Respektvollen Integration der Roma im Kosovo" um, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt wird.

Im Herbst 1999 hatte der Stifter Karl Kübel unter dem Eindruck der Kriegsberichterstattung aus dem Kosovo beschlossen, das Engagement der Stiftung in diese Region auszuweiten. Ihm war es unerträglich, dass Menschen sozusagen vor unserer Haustür unter unmenschlichen Bedingungen in Flüchtlingslagern hausen und in ein zerstörtes Land mit einer untereinander verfeindeten Bevölkerung zurückkehren mussten. In dieser Situation war es ihm wichtig, durch Versöhnung zum Wiederaufbau der Gesellschaft im Kosovo beizutragen. Wesentlich war für ihn, Kriegstraumata insbesondere bei Kindern aufzuarbeiten, um eine Gesellschaft zu schaffen, in der gemeinsamer Wiederaufbau möglich ist. Aktuell arbeitet die Stiftung daran, der Minderheit der Roma im Kosovo einen festen Platz in der Gesellschaft zu sichern und ihren Kindern durch Anerkennung ihrer Kultur und Bildung eine Perspektive in ihrer Heimat zu geben.

Des Weiteren werden die Menschen über die Gefahren der Migration nach Mitteleuropa und die weitgehende Aussichtlosigkeit von Asylanträgen informiert. Die Stiftung engagiert sich zudem in Reintegrationsprogrammen für rückkehrende Roma, die aus vielen Ländern Mitteleuropas abgeschoben werden. "Wir wollen den Menschen die Aussichtslosigkeit und die Gefahren der Migration nach Mitteleuropa klarmachen und ihnen zugleich Perspektiven in ihrer Heimat aufzeigen. Wenn wir Kindern und Jugendlichen eine Heimat geben, in der sie vor Ort in Schule und Ausbildung integriert werden und als wichtiger und respektierter Teil der Gesellschaft angesehen werden, dann ist der Grundstein für eine Zukunft in ihrer Heimat gelegt", erläutert Tepel.

In Nepal engagiert sich die Karl Kübel Stiftung seit den schweren Erdbeben vom Frühjahr 2015. Zuerst geht es um den Wiederaufbau von Schulen und im zweiten Schritt von Häusern und wirtschaftlichen Lebensgrundlagen, um den Menschen in ihrer Heimat eine Zukunft zu geben. Dabei orientiert sich die Stiftung an dem Ansatz, den sie bei all ihren Projekten verfolgt: einem langfristigen Engagement, das nicht nur unmittelbare Schäden durch Nothilfe "repariert", sondern die Menschen in einem auf mehrere Jahre angelegten Weg der Entwicklung und Prävention begleitet. Gefahren, wie Perspektivlosigkeit, Zusammenbruch von bestehenden Familienstrukturen, Schulabbruch, Kinderhandel etc., konnten damals verhindert werden und sollen es auch heute.

Nachdem in Nepal mit Hilfe von vielen Spendern Schulgebäude, Trinkwasserversorgung und Toiletten für mehr als 1600 Kinder aufgebaut worden sind, wird die Stiftung ab Frühjahr dieses Jahres damit beginnen, ganze Dörfer wiederaufzubauen und durch Schulungen der Menschen und die Vergabe von Kleinkrediten die Landwirtschaft wieder zu stärken. Auch die Aufarbeitung von Traumata bei Kindern und Erwachsenen sowie die Ausarbeitung von Notfallplänen werden berücksichtigt, um die Basis für die Zukunft zu schaffen.