Auf neuen Rädern und erstmals im Schulhof des Goethe-Gymnasiums

Integrationsprojekt des Frauenbüros: Neunter Fahrradkurs für Frauen

Wenn in Hessen die Sommerferien beginnen und die Schulhöfe verlassen sind, ist das alljährlich der Auftakt für ein Integrationsprojekt des städtischen Frauenbüros. Vor acht Jahren hat die Frauenbeauftragte Marion Huhn damit begonnen, Mädchen und Frauen, die bisher nicht die Chance hatten, Fahrrad fahren zu lernen, mit einem Fahrradkurs mobiler zu machen. Bei den Teilnehmerinnen handelt es sich größtenteils um Migrantinnen, immer mal wieder sind auch deutsche Frauen dabei.

Mittlerweile ist der sommerliche Fahrradkurs dank der bestens eingespielten Netzwerkarbeit von Marion Huhn zum Selbstläufer geworden. In diesem Jahr drehten die Fahrradschülerinnen erstmals auf dem Schulhof des Goethe-Gymnasiums ihre Runden. „Es ist wirklich ein toller Platz für unser Projekt“ schwärmten Marion Huhn und Kursleiterin Dorothee Sachinian von der SSG von dem großzügigen und mit vielen schattigen Plätzen gestalteten Schulhof, der noch weitere Vorteile bietet. Es ist ein Ort abseits der Öffentlichkeit, was vor allem für die teils traumatisierten jungen Mädchen sehr wichtig ist. Zum anderen können die Übungsräder während der Kurswoche im vorhandenen Fahrradkeller aufbewahrt und müssen nicht täglich transportiert werden.

Das gewinnt vor allem wegen einer weiteren Neuerung an Bedeutung: In diesem Jahr startet der Kurs mit neuen Fahrrädern. Die Sportjugend des Landes Hessen spendierte die Ausstattung mit neuen Klapprädern, mit denen es vor allem auch kleineren Teilnehmerinnen leichter fällt, das Fahren auf zwei Rädern zu lernen. Dass man sich auch künftig bezüglich des Austragungsortes keine Gedanken machen muss, erfreute vor allem den zuständigen Dezernenten Adil Oyan sowie Nicole Russmann vom Bensheimer Netz, das die finanzielle Unterstützung des Projektes sicherstellt. Auch für die kommenden Jahre wird man den Goethe-Schulhof nutzen können, wie Nicole Guthier vom Leitungsgremium der Schule versprach. Integrationsarbeit passe sehr gut in das Schulprogramm des Goethe-Gymnasiums und werde daher gerne unterstützt. Interkulturelle Lernprozesse, mit denen das Verständnis und die Toleranz in der Begegnung mit anderen Kulturen gefördert werden, seien ein zentraler Schwerpunkt des Schulprofils. Für Kursleiterin Dorothee Sachinian ist es außerdem ein Heimspiel, denn sie bietet am Goethe-Gymnasium regelmäßig ihr Sportprogramm an.

Zu den Kooperationspartnern des Projektes gehören noch das Diakonische Werk, das den Fahrradtransport sicherstellt – diesmal durch Sabine Reiner vom Verein Welcome to Bensheim – sowie das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft, das sich um die Aufbewahrung und Reparatur der Räder kümmert. Vertreten war das Bildungswerk durch Christiane Wick.

13 Teilnehmerinnen hatten sich in diesem Jahr zum Kurs angemeldet. Sie erlernen in der Kurswoche den sicheren Umgang mit dem Zweirad und erhalten von der Jugendverkehrsschule der Polizei zur Verfügung gestelltes Schulungsmaterial, das sie mit den wichtigsten Verkehrsregeln vertraut macht.   psp