Feierstunde am 10. November an der Gedenkstätte auf dem Bendheim-Platz

Der 10. November ist in Bensheim für immer mit der Zerstörung der ehemaligen Synagoge durch deutsche Nationalsozialisten verbunden. Seit vielen Jahren ist dieses Datum für Bensheim und seine Bürger Anlass, im Rahmen einer Gedenkstunde den Mitbürgerinnen und Mitbürgern zu gedenken, die aus Antisemitismus und Rassenwahn in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft schreckliches Leid erfahren mussten.

Die Gedenkstunde auf dem Bendheim-Platz, dem Standort der ehemaligen Synagoge an der Nibelungenstraße, beginnt am 10. November um 18 Uhr und erfolgt wie jedes Jahr in enger Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger. Nach der musikalischen Eröffnung um 18 Uhr begrüßt Bürgermeister Rolf Richter die Gäste und Peter E. Kalb vom Vorstand der Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger spricht einleitende Worte. Die Gedenkansprache hält in diesem Jahr Gert Helbling. Er war vor 40 Jahren Mitinitiator der Gedenkfeier und ist Ehrenvorsitzender der Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung von Peter Kühn.

Eng verbunden mit der Gedenkfeier ist seit Jahren eine Vortragsveranstaltung der Geschichtswerkstatt, die in diesem Jahr nicht wie gewohnt im Anschluss stattfindet, sondern erst am darauffolgenden Montag (13.). Eingeladen wird in das Museum der Stadt am Marktplatz, wo ab 19.30 Uhr mit Edith Erbrich eine Zeitzeugin aus ihrem Leben im Nazi-Deutschland berichtet. Vor 80 Jahren – ein Jahr vor den November-Pogromen – war sie als sogenanntes Mischlingskind einer christlichen Mutter und eines jüdischen Vaters im Frankfurter Ostend geboren worden. Am 14. Februar 1945, sechs Wochen bevor die Amerikaner in Frankfurt/Main einrückten, wurde sie in das KZ Theresienstadt transportiert. Dem Transport in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau entkam sie nur, weil sie einen Tag vor dem geplanten Termin von der Roten Armee in Theresienstadt befreit wurde. Edith Erbrich hat sich der Aufgabe verschrieben, möglichst vielen Jugendlichen über ihre Zeit im Nazi-Deutschland zu berichten.

Peter E. Kalb vom Vorstand der Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger freut sich darüber, „dass es gelungen ist, eine Überlebende des Holocaust als Zeitzeugin für diesen Vortrag zu gewinnen“. Auch der Veranstaltungsort ist passend gewählt, denn zeitgleich läuft im Museum die Ausstellung „Spiegelungen“ mit Arbeiten der jüdischen Künstlerin Eleonore Robsmann. Die Ausstellung wurde in Kooperation mit dem Auerbacher Synagogenverein konzipiert und wird am 9. November um 19 Uhr eröffnet.   psp