Hochstädter Schicksale aus vier Jahrhunderten

1. bis 3. November: Ausstellung und Buchverkauf im Hochstädter Haus

Schicksale und Tragödien, Kriminalgeschichten und Kriegswirren: Wie sich das Zeitgeschehen in Europa und der Welt in den Lebensgeschichten von Menschen aus Hochstädten widergespiegelt hat, zeigt der Arbeitskreis Stadtteil-Dokumentation in seiner jährlichen Ausstellung. Unter dem Titel „Familienbuch Hochstädten 1660-1939“ ist die Präsentation vom 1. bis zum 3. November zu sehen – erstmals im Hochstädter Haus. Das begleitend aufgelegte, gleichnamige Buch vertieft die Thematik, liefert zusätzliche Informationen und verspricht eine spannende Lektüre.
Neben Schautafeln mit prägenden Ereignissen – darunter Kriege, Missernten und Naturkatastrophen – präsentiert die Ausstellung menschliche Schicksale, die mit dem Bensheimer Stadtteil in Verbindung stehen: zum Beispiel die Geschichte des Merck-Schwiegersohns Otto Friedrich Werner Pfarr, der sich 1927 in der Jagdhütte der Pharmazeutendynastie auf Hochstädter Gemarkung das Leben nahm. Eine schillernde Persönlichkeit ist auch der „Schrammbackige Bube“, ein vermutlich aus Hochstädten stammender Räuber, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit der berühmten Grasmann-Bande im Odenwald sein Unwesen trieb. Darüber hinaus wirft die Exposition ein Licht auf Menschen, die es im Zweiten Weltkrieg nach Hochstädten verschlug: als Vertriebene, Flüchtlinge oder ausländische Zivilarbeiter. Das Highlight der Ausstellung ist die Darstellung des Chinakämpfers Georg Fuchs oder „Schorsch Fuchs Maurer“ mit seiner Familie, um den sich viele Anekdoten ranken. Besucher können Gegenstände aus seinem Leben bestaunen.
Hinter der Ausstellung und dem Familienbuch steht eine umfangreiche Recherchearbeit von Claudia Sosniak und Ulrich Kirschnick, die zahlreiche Quellen durchforstet haben: Unter anderem Kirchenbücher und Personenstandsregister, Archive in Bensheim, Darmstadt und anderen Städten, diverse Standesämter und viele Publikationen.
Zur Eröffnung der Ausstellung und Vorstellung des Buches lädt die Stadtteil-Dokumentation am Freitag, 1. November, um 18 Uhr ins Hochstädter Haus, Josef-Sartorius-Straße 1, ein. Für die Vernissage am neuen, geräumigen Ausstellungsort ist keine Anmeldung erforderlich. Danach ist die Sammlung am Samstag, 2. November, von 14 bis 18 Uhr sowie am Sonntag, 3. November, von 11 bis 18 Uhr zu sehen.
Das Familienbuch Hochstädten 1660-1939 beinhaltet auf 394 Seiten, 655 Familien und zusätzlich Auflistungen von Familiennamen in Hochstädten vor 1660, die Schultheiße, Bürgermeister und Ortsvorsteher von Hochstädten, Hochstädter Häuser und Besitzer 1829-1939 und eine Zusammenfassung der Ausgebombten, Flüchtlingen, Vertriebenen und Heimkehrer sowie der ausländischen Zivilarbeitern. 22 Doppelseiten Familienbilder geben einigen aufgeführten Personen ein Gesicht. Das Buch ist ein Nachschlagewerk nicht nur für Hochstädter Familien und ihre Nachkommen, sondern auch für Familienforscher und andere regionalwissenschaftliche Arbeiten. Preis: 19 Euro. Buchverkauf während der Ausstellung der Stadtteil-Dokumentation vom 1. bis 3. November oder ab dem 4. November im Stadtarchiv Bensheim (Darmstädter Straße 8). Auch die Bestellung per E-Mail an archiv(at)bensheim(dot)de ist möglich.