Aus dem Untergrund in die Schlagzeilen

Sonderausstellung im Museum zeigt die Funde am Marktplatz

Es war eine wissenschaftliche Sensation, als im Sommer 2016 am Bensheimer Marktplatz archäologische Funde entdeckt wurden, darunter die Reste von 550 Traubenkernen. Diese Kerne wurden wissenschaftlich im Reiss-Engelhorn-Museum in Mannheim mit der Radiocarbon-Methode untersucht. Das Ergebnis überraschte damals selbst die Fachleute, denn es handelte sich um Traubenkerne, die aus der Zeit zwischen 1034 bis 1156 nach Christus stammen. Dieser Fund gilt als ältester direkter Nachweis für Weinbau an der Bergstraße. Die Nachricht sorgte bundesweit für Schlagzeilen und wurde sogar in einem Fernsehquiz thematisiert. Auch eine besondere Weinedition wurde aus Anlass dieses Funds aufgelegt.

Der Bensheimer Museumsleiter und Archäologe Christoph Breitwieser hat gemeinsam mit Thomas Becker vom Landesamt für Denkmalpflege und dem renommierten Archäobotaniker Dr. Christoph Herbig diese und viele weitere am Marktplatz entdeckte historische Funde ausgewertet, die ab 12. November im Rahmen einer Sonderausstellung im Museum zu sehen sind. „Die Erkenntnisse, die aus den Grabungen gezogen werden können, ergänzen und verändern unsere Vorstellung des Bensheimer Marktplatzes im ausgehenden Mittelalter maßgeblich“, sagt Christoph Breitwieser.

Das Zentrum der mittelalterlichen Stadt war natürlich der Marktplatz. Hier wurde gehandelt und kommuniziert, Händler und Patrizier ließen sich häuslich an diesem Mittelpunkt nieder. Die archäologischen Funde, die bei der Neugestaltung des Platzes gemacht wurden, geben einen Eindruck, wie der Ortskern nicht nur architektonisch gestaltet war. Durch die Entdeckung einer Kloake konnten außerdem viele Kleinfunde, pflanzliche und tierische Reste geborgen werden, die einen Einblick in das Leben der damaligen Bevölkerung zulassen.

Die Ausstellung zeigt erstmals die Ergebnisse der Ausgrabungen und die neuen Erkenntnisse zur mittelalterlichen Stadtstruktur Bensheims. Unter anderem wird auch der fast 1000jährige Traubenkern präsentiert. Die Sonderausstellung ist unterteilt in verschiedene Themen rund um den Bensheimer Marktplatz: Architektur, Handel, Gesellschaft und Archäologie. Dabei liegt der Fokus auch auf den herausragenden archäologischen Funden wie einem mit Tonfliesen ausgelegten Keller aus dem 13. Jahrhundert, gotisch bemaltem Fensterglas, Münzen, Keramik und Wasserleitungen. Eine Besonderheit ist das Ergebnis von archäobotanischen Untersuchungen. Hier wurden über 1000 Pflanzenreste von rund 80 verschiedenen Arten gefunden. Ein Modell des Bensheimer Zentrums am Anfang des 16. Jahrhunderts gibt einen Eindruck, wie die Stadt am Ende der Gotik aussah. Auch die Methodik der archäologischen Denkmalpflege wird erläutert, denn ohne die baubegleitende Dokumentation wären Funde und Befunde verloren gegangen. Die Macher der Ausstellung haben sich einiges einfallen lassen, um die Entdeckungen aus dem Sommer 2016 wissenschaftlich anspruchsvoll und trotzdem verständlich und anschaulich zu präsentieren.

„Von Traubenkernen und Brakteaten: Archäologie unter dem Marktplatz“ lautet der Titel der Sonderausstellung, die am Sonntag, 12. November, um 11.30 Uhr, eröffnet wird. Die Begrüßung übernimmt Bürgermeister Rolf Richter, das Grußwort spricht Thomas Becker, hessenARCHÄOLOGIE, Darmstadt. Eine Einführung gibt Archäobotaniker Dr. Christoph Herbig aus Frankfurt. Für die musikalische Begleitung sorgt das Flöten-Ensemble der Musikschule Bensheim unter der Leitung von Hannelore Schmanke.

Begleitprogramm zur Sonderausstellung

Zur Sonderausstellung gibt es ein Begleitprogramm: „Mittelalterarchäologie in einer Großstadt am Beispiel von Frankfurt am Main“ lautet der Titel einer Veranstaltung mit Dr. Andrea Hampel, Amtsleiterin Denkmalpflege Frankfurt, am 18. Januar um 18.30 Uhr im Museum.

„Romanischer Wein – Archäobotanische Untersuchungen am Marktplatz Bensheim“ heißt es bereits am 11. Januar um 18.30 Uhr, wenn Archäobotaniker Dr. Christoph Herbig als Experte das Thema näherbringt.