Große Kunst in kühler Umgebung

Annegret Soltau: Mutter-Glück (vernähte Fotocollage, 1977)

Emmanuel Bornstein

Ausstellungs-Highlights im Bensheimer Museum

Bensheim. Noch bis 9. August ist im Museum die Ausstellung „Courtesy Galerie Kleindienst“ mit Werken von Tilo Baumgärtel, Oskar Rink und Simon Adam Peter zu sehen. Baumgärtel und seine beiden Schüler zählen zu den Vertretern der Neuen Leipziger Schule. Bereits am 13. August wird die Ausstellungsreihe „Courtesy...“ im Forum des Museums mit zwei bedeutenden Künstlerinnen der 1970er und 1980er Jahre fortgesetzt: Elvira Bach und Annegret Soltau verbindet nicht nur, dass sie beide aus Hessen stammen, beide Frauen gelten als bedeutende Künstlerinnen seit den 1970er Jahren und irritieren den Betrachter durch ihre offensiven Werke mit hohem Wiedererkennungswert: Während Elvira Bach als expressive Malerin zu den „Jungen Wilden“ zählt, arbeitet Annegret Soltau als Vertreterin der Feministischen Avantgarde mit so unterschiedlichen Medien wie Performance, Grafik und bildgenerierenden Mitteln wie Fotografie und Videokunst. Was die beiden Künstlerinnen bewegt und was sie in ihren Arbeiten ausdrücken, ist die Beschäftigung mit dem vielschichtigen und komplexen, sich ständig weiterentwickelnden Selbst: als Frau, als Künstlerin, als Mutter. Die Ausstellung, die zuvor in Berlin gezeigt wurde, ist ein Gemeinschaftsprojekt des Museums Bensheim, der Galerie Kornfeld in Berlin und der Galerie Anita Beckers in Frankfurt.

Der August bringt noch zwei weitere Highlights im Museum: Ab 23. gibt es im Kabinett ein kleines Juwel der Kunst zu entdecken. Der französische Künstler Emmanuel Bornstein gilt als eine der wichtigsten Neuentdeckungen in der internationalen Kunstwelt. Seine Arbeiten waren im Rahmen von Solo- und Gruppenausstellungen bereits in zahlreichen europäischen Ländern sowie in den USA und Brasilien zu sehen. Zuletzt beeindruckte Bornstein das Berliner Publikum bei einer gemeinsamen Ausstellung mit dem Fotografen Andreas Mühe. In Bensheim stehen ausdrucksstarke Figuren im Zentrum der Bilder. Sie sind häufig allein, auf sich zurück geworfen und dennoch voller Dynamik – gerade vor dem Hintergrund der Erlebnisse in den vergangenen Monaten treffen Bornsteins Werke damit sicherlich einen Nerv. Zur Ausstellung in Kooperation mit der Berliner Galerie Crone erscheint erstmals ein umfassender Katalog zu Bornsteins Papierarbeiten mit einem Textbeitrag von Dr. Eva Atlan vom Jüdischen Museum in Frankfurt.

Unbedingt vorgemerkt werden sollte außerdem der 30. August, an dem die neue Archäologische Abteilung des Bensheimer Museums eröffnet wird. Das Museum lockt also auch während der Sommermonate mit einem attraktiven Programm in seine kühlen Räume.