Gut ausgestattet, gut ausgebildet und leistungsfähig: Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Bensheimer Wehren

Ein Stützpunkt in der Kernstadt, neun Gerätehäuser in den Stadtteilen und einen Fuhrpark von 40 Spezialfahrzeugen für den Einsatz – allein die Hardware der Freiwilligen Feuerwehr von Bensheim stellt schon einen beachtlichen Wert dar. Aber wichtiger und nicht in Euro und Cent zu beziffern ist die Software dieser Hilfsorganisation, die sich in den insgesamt 335 ehrenamtlichen Einsatzkräften, den vier hauptamtlichen Feuerwehrmännern und den zwischen 400 und 500 schwankenden Einsätzen im Jahr widerspiegelt.

Das weiß auch Bürgermeister Rolf Richter, der in der Freiwilligen Feuerwehr eine wichtige Säule in der Sicherheitsarchitektur der Stadt sieht. „Die Lebensqualität einer Stadt hat viel damit zu tun, wie sicher sich ihre Bürgerinnen und Bürger fühlen können“, macht Richter deutlich, warum es so wichtig ist, die Leistungsfähigkeit und die Leistungsbereitschaft der ehrenamtlichen Einsatzkräfte zu unterstützen und sicherzustellen.

Der auf fünf Jahre ausgerichtete „Bedarfs- und Entwicklungsplan der Stadt Bensheim für den Brandschutz, die Allgemeine Hilfe und den Katastrophenschutz“ ist dafür ein wichtiges Hilfsmittel. Das für die Jahre 2016 bis 2021 angelegte Konzept liegt in der aktuellen Sitzungsrunde zur Beratung und Beschlussfassung vor und trägt die Handschrift des neuen Stadtbrandinspektors, der sich zusammen mit den Bensheimer Wehren dieser Aufgabe angenommen hatte. Jens-Peter Karn hat die Perspektive erweitert: Es wurde nicht nur über 2021 hinausgeblickt, es wurde auch an die städtischen Finanzen gedacht und Vorschläge für Einsparungen erarbeitet. Insgesamt sieht der Stadtbrandinspektor für Bensheim eine gute Feuerwehr-Infrastruktur: „Wir haben keinen Investitionsstau, die Fahrzeuge sind alle gut gepflegt und in einem funktionstüchtigen Zustand“. Auch die Personalsituation sei noch nicht kritisch, trotzdem müsse man gerade jetzt an die Nachwuchsgewinnung denken.

Generell will Karn die internen Arbeitsabläufe optimieren und die Stadtteilwehren verstärkt auch bei Gefahrguteinsätzen, der technischen Einsatzleitung oder beim Katastrophenschutz einbinden. Bisher wurde das vorwiegend von der Stützpunktwehr gestemmt.

Gut ein halbes Jahr hatte der eigens dafür aus Wehrführern beziehungsweise Vertretern der zehn Wehren gebildete Ausschuss an der Bedarfs- und Entwicklungsplanung gearbeitet. „Sehr rationell und mit intensiven Diskussionen“, so Karn, „jetzt wird das Konzept von allen getragen.“ Man hätte die Aufstellung des Konzeptes auch extern vergeben können, was aber mit 20.000 bis 30.000 Euro einen hohen Preis gehabt und trotzdem ein hohes Maß an Zuarbeit erforderlich gemacht hätte. „Dass dieser enorme Aufwand von einer internen Arbeitsgruppe geleistet wurde, verdient eine hohe Anerkennung“, sagt Bürgermeister Rolf Richter, der vor allem auch den Sparwillen der Feuerwehr positiv hervorhebt und sich im Namen des Magistrats bei der Feuerwehr bedankte. Stadtbrandinspektor Karn lobt umgekehrt die Verwaltung, mit der die intensive Zusammenarbeit auf kurzen Wegen sehr gut funktioniert habe. Das Konzept wird zur Zeit in den städtischen Gremien beraten.

Dank des Konzepts kann beim Fuhrpark kräftig gespart werden

Vor allem beim Blick auf das Fahrzeugkonzept wird der perspektivische Blick über das Jahr 2021 hinaus deutlich. Denn die Ersatz- oder Neubeschaffung von Einsatzfahrzeugen richtet sich in aller Regel auch nach der Zuschussfähigkeit, die frühestens nach 25 Jahren gegeben ist. Unter dieser Prämisse wäre es aber 2020 und 2021 zu einer Investitions-Konzentration von insgesamt 1,5 Millionen Euro gekommen. Mit dem Konzept und der vorgeschlagenen Reduzierung des Fuhrparks von 40 auf 38 Fahrzeuge könnte bis 2023 nach dem Prinzip „aus zwei mach eins“ eine stattliche Summe eingespart werden: Beispiel: Aus dem Tanklöschfahrzeug für Einsätze im Wald (die Neuanschaffung war ursprünglich 2020 vorgesehen) und dem Rüstwagen (geplante Neuanschaffung 2023) der Stützpunktwehr wird ein Hilfeleistungslöschfahrzeug, das 2017 beschafft wird. Berücksichtigt wurden bei diesen Überlegungen unter anderem auch die jeweiligen Anforderungen in den Ausrückebereichen, Zustand und Wartungshäufigkeit, Einsatzhäufigkeit, Platzverhältnisse an den jeweiligen Standorten, aber auch die Zurückstellung von Beschaffungen bei entsprechendem Fahrzeugzustand und geringer Nutzung.

Ausstattung: Neue Schutzkleidung für die Feuerwehr

In den nächsten fünf Jahren steht auch der Austausch der zum Teil 20 Jahre alten Schutzkleidung an. Vorrang haben hier die 113 Atemschutzträger, für deren Ausstattung zunächst etwa 90.000 Euro vorgesehen sind. Die weiteren Ausstattungen folgen dann sukzessive.

Da auch Feuerwehrgerätehäuser vor Brandschaden nicht automatisch geschützt sind, sind dort auch Brandmeldeanlagen erforderlich. Immerhin geht es hier um hohe Werte und den Verlust der Einsatzfähigkeit. Das ist aufwändiger als im Privathaus, da eine Verkabelung zur Weiterleitung der Brandmeldung an die Leitstelle erforderlich ist. Kosten und Umsetzung müssen noch geprüft werden. Auch für eine Ersatzstromversorgung, wie sie am Stützpunkt an der Robert-Bosch-Straße schon gegeben ist, soll für die Stadtteilwehren ein Konzept erstellt werden.

Qualifikation: Ausbildung ist ein wichtiger Faktor

Der Ausbildungsstand der Bensheimer Wehren wurde intensiv unter die Lupe genommen. Denn je nach Einsatzart müssen die Spezialfahrzeuge mit den entsprechend qualifizierten Einsatzkräften besetzt werden. Hier besteht für die Bensheimer Wehren kein Handlungsbedarf, alle verfügen über ausreichend qualifizierte Einsatzkräfte, so dass auch unter Berücksichtigung einer doppelten Ausfallreserve die Mindestanforderungen mehr als erfüllt werden.

Einen positiven und für die Stadtteilwehren entlastenden Effekt haben die mit Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn insgesamt vier hauptamtlichen Feuerwehrmänner, die am Stützpunkt an der Robert-Bosch-Straße das Tagesgeschäft erledigen und schnell und effektiv kleinere Einsätze übernehmen. psp