Stadtplanung: Auf das „Äußere“ kommt es an

Hauptstraße 54 (Mittelbrücke) vorher

Hauptstraße 54 (Mittelbrücke) vorher

Hauptstraße 54 (Mittelbrücke) nachher

Hauptstraße 54 (Mittelbrücke) nachher

Städtische „Fassadenberatung“ bisher fast 200 Mal in Anspruch genommen

Auch wenn eigentlich die inneren Werte zählen, so kommt es hier doch eindeutig auf Äußerlichkeiten an: Seit 2005 bietet die Stadt Bensheim eine Beratung für Farb- und Fassadengestaltung für Immobilien in der Innenstadt, entlang der B3 in Auerbach sowie für Einzelkulturdenkmäler im ganzen Stadtgebiet an. Auf Grundlage der Gestaltungssatzung wurden bisher 187 Fassadenberatungen vorgenommen. Wird ein Vorschlag umgesetzt, fördert ihn die Stadt mit bis zu 1500 Euro für eine Immobilie in der Innenstadt oder entlang der B3 in Auerbach sowie mit bis zu 800 Euro bei einem Einzelkulturdenkmal außerhalb der Innenstadt bzw. des Satzungsgebietes. „Oberste Priorität bei der Beratung hat, dass die Projekte im Dialog mit Hauseigentümern und Geschäftsinhabern realisiert werden“, sagt Baustadtrat Helmut Sachwitz.

„Wir versuchen immer, individuelle Farb- und Gestaltungswünsche der Eigentümer zu berücksichtigen. Alle Konzepte werden gemeinsam mit den Eigentümern entwickelt. Es geht um Anregungen und nicht um Vorgaben“, sagt Architektin und Diplomingenieurin Doris Gölz, die gemeinsam mit Stadtplanerin Carolin Schmidt (Team Stadtplanung und Demographie) die Beratungen durchführt. Dabei wird im Bereich der Innenstadt zunächst einmal die Gestaltungssatzung zugrunde gelegt.

Für Rolf Guntermann und Elke Sickenberger, Kinder der damaligen Eigentümerin Gisela Guntermann des Hauses an der Hauptstraße 54 direkt an der Mittelbrücke, verlief der gesamte Prozess konstruktiv und in einer angenehmen Atmosphäre: „Unsere Vorstellungen und Wünsche wurden aufgenommen und zu einem gemeinsamen Konzept für die Neugestaltung der Außenfassade weiterentwickelt.“ Insgesamt fünf Beratungsgespräche vor Ort fanden statt. „Wir wurden umfassend informiert und bei der Farbauswahl durch viele Vorschläge unterstützt. Zudem wurden uns einige Arbeiten abgenommen“, sagt Rolf Guntermann. „Um die Torwirkung an der Mittelbrücke zu verstärken, wurde die Farbgebung der Fachwerkfassade optisch an das gegenüberliegende Gebäude angepasst“, ergänzt Architektin Doris Gölz. „Das Ergebnis kann man getrost als Vorzeigelösung präsentieren“, sagt Helmut Sachwitz. Ein Kompliment, das sich natürlich auch an die Bauherrschaft richtet.

Auch in der Hauptstraße 17 waren die Fassadenprofis im Einsatz: Das Metzendorf-Gebäude wurde in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz restauriert und in großen Teilen an seinen ursprünglichen historischen Charakter angeglichen. Für Doris Gölz sind der Wambolter Hof oder das Ärztehaus am HGH weitere Projekte, die ihr aufgrund der prominenten Lage besonders in Erinnerung geblieben sind, auch am Rinnentor wurden viele Maßnahmen umgesetzt. Sie bedauert, dass gerade entlang der B3 das Angebot leider kaum in Anspruch genommen werde.

Für Carolin Schmidt (M. Sc.) entfaltet die Fassadenberatung auch eine unbewusste Wirkung: „Der Beobachter nimmt eher unterschwellig wahr, dass sich die Gebäude zu einem harmonischen Gesamtbild fügen“, sagt Schmidt und betont, „dass so etwas natürlich ganz entscheidend beeinflusst, welchen Eindruck eine Stadt bei Touristen und Einheimischen hinterlässt.“

Bei denkmalgeschützten Objekten wird die Untere Denkmalbehörde des Kreises Bergstraße einbezogen. Diplomingenieurin Margit Meissner-Haumann vom Denkmalschutz sieht das Engagement der Stadt sehr positiv: „Man erkennt in vielen Bereichen, was die Fassadenberatung über die Jahre hinweg bewirkt hat. So etwas prägt eine Stadt“, sagt sie. Margit Meissner-Haumann und ihre Behörde werden regelmäßig in die Maßnahmen eingebunden, das kann in manchen Zeiten drei bis vier Mal in der Woche sein. Hauseigentümer profitieren von der Fassadenberatung gleich doppelt: Neben dem Zuschuss gibt es die Beratung kostenlos. Die Stadt tritt als Dienstleister und Koordinierungspartner für Besitzer, Architekten und Fachfirmen auf und vermittelt Kontakte zu anderen Behörden und Ansprechpartnern.

„In einer Stadt wie Bensheim sollten gestalterische Lösungen immer auch aus seiner Historie gedacht und entwickelt werden. Dies bindet auch private Eigentümer in eine besondere Verantwortung. Da die Fassaden das Stadtbild prägen, haben wir ein großes Interesse an einer professionellen und passenden Außendarstellung“, sagt Helmut Sachwitz. Durch die Fassadenberatung werden die charakteristischen Merkmale jedes einzelnen Gebäudes herausgearbeitet und auch ein Bezug zur umgebenden Bebauung hergestellt.

Wie läuft eine Fassadenberatung ab?

Ansprechpartnerin für die Vereinbarung von Beratungsterminen ist Carolin Schmidt (Tel. 06251/14-295). Mit einem Ortstermin gemeinsam mit Architektin Doris Gölz fängt alles an. Die Eigentümer bringen ihre Wünsche bezüglich Gestaltung und Farbe ein. Anhand von Fassadenzeichnungen mit unterschiedlichen Farbvarianten werden die verschiedenen Möglichkeiten veranschaulicht. Gemeinsam wird dann vor Ort die Farbauswahl getroffen, der Eigentümer beauftragt den ausführenden Malerbetrieb seiner Wahl.

Im Rahmen eines weiteren Ortstermins werden die Farben vor Ort bemustert und anschließend wird die endgültige Auswahl getroffen. Bei Einzelkulturdenkmälern und Ensembleschutz werden daraufhin die Unterlagen für eine denkmalrechtliche Genehmigung durch das Architekturbüro erstellt und eingereicht. Nach Abschluss der Malerarbeiten reicht der Eigentümer die Handwerkerrechnung bei der Stadt Bensheim ein und erhält bei Umsetzung der ausgewählten und genehmigten Farbvariante in Abhängigkeit von der investierten Summe eine Förderung. ps