Weltflüchtlingstag

Die Kinder der Intensivklasse der Schillerschule und die Erwachsenen (v.l.): Annette Engelbrecht, Lehrerin Intensivklasse, Gregor Knop, Chorleiter St. Georg, Daniela Kobelt Neuhaus, Vorstandsmitglied Karl Kübel Stiftung und Shimon Szmigiel, Geschäftsführer TrekStor.

Weil Musik verbindet

Auf Initiative der Karl Kübel Stiftung hat sich in Bensheim ein Projektchor aus Kindern aus mehr als zehn Nationen gegründet. Die Kinder kommen aus der Schillerschule, aus der Joseph-Heckler- Schule und vom Kammerchor St. Georg. Sie studieren derzeit Lieder in deutscher Sprache zum Thema Freundschaft ein und präsentieren diese der Öffentlichkeit gemeinsam im September in Bensheim.

Karl Kübel Stiftungfür Kind und Familie. Am Donnerstagmorgen wurde das Gemeinschaftsprojekt pünktlich zum Internationalen Weltflüchtlingstag am 20. Juni vorgestellt. In der Bensheimer Schillerschule empfingen 13 Kinder zwischen sieben und elf Jahren aus Familien mit Fluchterfahrung, die die Intensivklasse der Schule besuchen, und ihre Lehrerin Annette Engelbrecht die Initiatoren und Unterstützer des Projekts: Daniela Kobelt Neuhaus und Nicole Bärenstrauch von der Karl Kübel Stiftung, Gregor Knop, Chorleiter bei der Gemeinde St. Georg, und Shimon Szmigiel, Geschäftsführer der Firma TrekStor in Bensheim.

"Bei uns in der Stiftung entstand die Idee: Brücken schlagen und Menschen verbinden - mit Musik. Und dies dann mit Begeisterung den Menschen in Bensheim präsentieren und zeigen, dass es gelingt. Also fragten wir die beiden Schulen und den Gemeindechor an", erläuterte Nicole Bärenstrauch das Zustandekommen des Projekts.

Die Kinder und Lehrer der Schulen sowie des Gemeindechors waren sofort begeistert von der Idee des Projektchors und wollten unbedingt mitmachen. "Die Kinder sind ganz wild drauf", erzählte Gregor Knop von seinen Chorkindern. Und zusammen in Vielfalt leben ist für beide Schulen sowieso gelebter Alltag. Doch dann kamen Bedenken, dass die deutsche Sprache ein Problem werden könnte, denn manche der Kinder sind erst seit kurzem in Deutschland und der Sprache noch nicht mächtig, besonders die jüngeren, und besonders beim Lesen. Also muss es über das Hören funktionieren: Kinder lernen durch das Hören der Lieder die Texte auswendig. Und so fragte die Stiftung bei der Bensheimer Technikfirma TrekStor an, ob sie dieses Projekt mit MP3-Playern unterstützen könnte. Geschäftsführer Shimon Szmigiel dazu: "Ich habe spontan entschieden, dass ich das Projekt sehr gerne unterstützen möchte."

Nun lernen die Kinder fast täglich mit ihren neuen MP3-Playern, auf denen die Lieder aufgespielt sind. "Ich übe jetzt seit zwei Wochen, und ich kann die Lieder schon ganz gut", erzählte Ana aus Kroatien. "Es geht ums wiederholte Hören. Vor allem Kinder, die noch lese- und schreibungeübt sind, lernen über das Hören schnell und leicht. Sprachmelodie, Satzbau und Redewendungen der deutschen Sprache finden so den Weg ins Gehirn", sagte Lehrerin Annette Engelbrecht. Und Knop fügte hinzu, dass das häufige Hören die unterschiedlichen Lerntempi der Kinder ausgleicht: Einige können die Texte schon nach wenigen Hörphasen, andere müssen öfter hören, um verstehen und nachsprechen zu können. Diese Aussagen der Pädagogen bewegten Shimon Szmigiel dazu, spontan weitere MP3-Player zum Lernen für die Intensivklasse der Schillerschule zuzusichern.

Momentan üben alle drei Gruppen noch separat, nach den Sommerferien werden sie dann alle zusammen proben bis zum großen Auftritt auf der Verleihung des Karl Kübel Preises an Peter Maffay am 16. September dieses Jahres. Die öffentliche Premiere findet zwei Tage später auf der Bühne beim Fest zum Weltkindertag am 18. September auf dem Bensheimer Beauner Platz statt. Damit das Ganze richtig rund ist, werden die Kinder von Bensheimer Musikern begleitet.

"Wir hoffen, dass das Projekt nachhaltig wirkt und dass die Kinder durch gemeinsames Singen hier in Bensheim Freunde finden", wünscht sich Chorleiter Knop. Und Daniela Kobelt Neuhaus vom Vorstand der Karl Kübel Stiftung hofft: "dass die Verbindung von modernen Medien und Musik Kindern Spaß macht und sie ermutigt, mit Sprache und Dialog zu experimentieren. Wer weiß, vielleicht sind die MP3-Player demnächst Datenträger für Geschichten oder Lieder in anderen Sprachen?"