„Vermiete doch an die Stadt“

Stadt will weiteren bezahlbaren Wohnraum auf den Markt bringen

Bensheim will mit dem Programm „Vermiete doch an die Stadt“ zusätzlichen sozialen Wohnraum gewinnen. Ziel dieser Initiative ist es, private Vermieter zu finden, die bereit sind, ihre freien Wohnungen an die Stadt als sozialen Wohnraum zu vermieten. Damit wird das Risiko eines Mietausfalles oder nicht bezahlter Mietschäden ausgeschlossen, da die Stadt der Mieter ist. Der Magistrat hat der entsprechenden Vorlage zugestimmt, die Gremien und letztlich die Stadtverordnetenversammlung entscheiden darüber in den kommenden Wochen. Für Vermieter, die an dem Programm teilnehmen, bedeutet es, dass die Stadt in allen Belangen erster Ansprechpartner ist. Bei der Auswahl der Untermieter kann der Wohnungseigentümer mitbestimmen. Auf Wunsch können befristete oder unbefristete Mietverträge mit der Stadt geschlossen werden. Die Mietpreise sollten sich allerdings in angemessenem Umfang bewegen und die Wohnungen in einem ordentlichen Zustand sein.

Im Idealfall ist eine vollständige Kostendeckung für die Stadt gewährleistet, da die Miete im städtischen Haushalt lediglich ein durchlaufender Posten ist. Die Stadt tritt gegenüber dem Vermieter als Vertragspartner auf, bezahlt die Miete und gibt die Mietkosten an die Untermieter weiter, die in den meisten Fällen ihre Mietzahlung vom Jobcenter oder Sozialamt erhalten.

Aufgrund von Unterschieden im Mietpreis zum erstattungsfähigen Mietpreis von Seiten des sozialen Leistungserbringers kann eine Unterfinanzierung nicht ausgeschlossen werden, die Verwaltung geht aber von einer Refinanzierungsquote in Höhe von 95 Prozent aus. Vor zwei Jahren hatte die Stadt Viernheim die Aktion ins Leben gerufen. Dort entwickelte sich das Programm zu einem Erfolg. In Bensheim sind rund 350 Wohnungssuchende bei der städtischen Wohnungsstelle registriert. Bei der Wohnbau Bergstraße als Hauptwohnungsgeber von Sozialwohnungen sind rund 500 Wohnungsbewerber gemeldet.

In den Flüchtlingsunterkünften sind etwa 500 Flüchtlinge untergebracht, die auch auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind. Hinzu kommt noch eine unbekannte Zahl durch Familiennachzug der Flüchtlinge. Dieser Personenkreis kann mit Wohnungen über den sozialen Wohnungsbau nicht zeitnah versorgt werden. Von diesem Personenkreis sind natürlich nicht alle ohne Wohnung, oft ist die bisherige Wohnung zu klein geworden und es wird eine größere gesucht oder umgekehrt. Um auf die stetig steigende Nachfrage zu reagieren, hat die Stadt bereits eine Reihe von Projekten geplant, mit denen insbesondere auch Sozialwohnungen geschaffen werden können. Trotzdem wird der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum weiterhin sehr hoch bleiben. Aus diesem Grund müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden, um die Situation zu verbessern.