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Die Internierung jüdischer Exilanten auf Mauritius 1940 - 1945

Diese Veranstaltung ist bereits abgelaufen!

Wann: 13.09.2017, 19:30 Uhr
Wo: ehemalige Synagoge, Darmstädter Str. 58, Bensheim-Auerbach
Veranstalter: Auerbacher Synagogenverien
Kategorien: Bildung, Lesung / Vortrag

Vortrag mit Dr. Almut Seiler-Dietrich.

Eines der vielen tragischen, aber ein weitgehend unbekanntes Kapitel der Vertreibung der Juden aus Nazideutschland ist die Geschichte von über 1500 Menschen, die im Herbst 1940 nach einer dramatischen Schiffsreise in Haifa ankamen und von den britischen Behörden zur Weiterfahrt nach Mauritius gezwungen wurden. Es waren Deutsche und Österreicher, die gehofft hatten, auf Ausflugsdampfern donauabwärts zur Schwarzmeerküste zu gelangen und von da in größeren Schiffen den rettenden Hafen im Heiligen Land zu erreichen. Die Engländer hatten aber inzwischen beschlossen, keine illegalen Einwanderer mehr nach Palästina zu lassen, eigentlich entgegen der Balfour-Erklärung vom November 1917: Darin hatte die englische Regierung Zustimmung und Unterstützung für das zionistische Ziel einer „nationalen Heimstatt“ für die Juden in Palästina zugesagt. Jetzt aber befürchtete sie gewaltsame Aktionen der arabischen Bevölkerung, denn 1939 war schon ein Drittel der Bevölkerung jüdisch. Ausweg war die Internierung in der britischen Kronkolonie Mauritius. Für viereinhalb Jahre lebten die Exilanten dort im Gefängnis der Insel, in den ersten zwei Jahren sogar ohne Familienkontakte: Die Männer in den Zellen, die Frauen und Kinder in Wellblechbaracken. Viele ähnliche Schikanen verschlimmerten die schlechte Ernährungs- und Gesundheitssituation. Nach und nach gelang es trotzdem, Schulunterricht, Sprachkurse und handwerkliche Betätigung zu organisieren. Mit dem Kriegsende fand die Internierung ein Ende, die Exilanten wurden nach Palästina gebracht.

Dr. Almut Seiler-Dietrich, unsere Referentin, ist vor allem als Sprach– und Literatur-wissenschaftlerin bekannt. Ihr Hauptinteresse gilt der Erforschung und Verbreitung der neueren schwarzafrikanischen Dichtung. Den Grund dazu legte ein dreijähriger Afrikaaufenthalt als Heranwachsende in Léopoldville / Kinshasa. Später folgten Sprachstudien und Reisen in afrikanischen Ländern. Nicht nur ihre Promotion, sondern auch die vielen Bucheditionen befassen sich mit afrikanischen Autoren. Daneben schloss sie aber auch das Lehramtsstudium ab und unterrichtete in Bensheim am Alten Kurfürstlichen Gymnasium und an der Geschwister-Scholl-Schule in den Fächern Französisch, Russisch und Spanisch.