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Die Kabbala des Isaak Luria

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Wann: 11.05.2016, 19:30 Uhr
Wo: ehemalige Synagoge, Darmstädter Str. 58, Bensheim-Auerbach
Kategorien: Bildung, Kultur, Lesung / Vortrag

Vortrag von Prof. Dr. Karl E. Grözinger, Berlin.

Mystisches Denken im Judentum wurde in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten vor allem in Spanien und Südfrankreich überwiegend mündlich im Verborgenen weitergegeben. Im

13. Jahrhundert erschien dann ein grundlegendes schriftliches Werk, der „Sohar“. In seinen Tora-Auslegungen wird hinter allen Buchstaben und Zahlen der Texte ein verborgener tieferer Sinn aufgespürt, um das Wesen Gottes und sein Wirken im Kosmos zu erkennen. Die Lehre musste geheim bleiben, nur Männer in gereiftem Alter durften sich damit befassen. Neben der theoretischen gibt es die praktische Kabbala mit Wortmagie, Geisterbeschwörung, Loswerfen, Amulettwesen.

Nach der Verfolgung und Vertreibung der Juden aus Spanien 1492 wurde Safed in Galiläa im

16. Jahrhundert Zentrum der Kabbala. Hier erhielt sie ihre letzte überlieferte Form  durch Isaak Luria (1534 – 1572). Die Generation der traumatisierten spanischen Juden bildet den historisch-kulturellen Kontext seines Wirkens, die Exilerfahrung spiegelt sich in dem durch Luria weiterentwickelten System wider. Seine Vorstellungen und Visionen führten zu einem neuen Verständnis von Gott und seiner Schöpfung. Ein kompliziertes Lehrgebäude sieht die kosmische und die menschliche Sphäre verknüpft, die Menschen haben die Verpflichtung, durch Einhalten der Gebote die göttliche Harmonie der Welt zu erhalten.

Die lurianische Kabbala ist bis heute die wirkmächtigste Formulierung der jüdischen Mystik,   die vor allem im chassidischen Judentum überliefert ist.

Dr. Karl Erich Grözinger, 1942 geboren, gehört zu den besten Kennern der jüdischen Religionsgeschichte. Nach dem Studium der evangelischen Theologie, eingeschlossen Studien an der Universität Jerusalem in Judaistik und Biblischer Archäologie, arbeitete er in Heidelberg mit in der Qumran Forschung. Dann begann er das Zweitstudium Semitistik, das er mit der Promotion und 1980 mit der Habilitation abschloss. Nach Lehrtätigkeit in Deutschland, Schweden und Israel sowie Gastprofessuren in USA und Polen wurde er 2007 emeritiert, ist aber weiterhin wissenschaftlich tätig. In der Auerbacher Synagoge war er schon einmal zu Gast mit seinem Vortrag über den „Wunderrabbi von Michelstadt“ – Zuhörer von damals haben ihn als sehr lebendigen Redner in Erinnerung.

Sie sind eingeladen, sich in die Zusammenhänge der jüdischen Mystik einführen zu lassen.