Sanner: Planungen für Umzug und Modernisierung vorgestellt

Machbarkeitsstudie Stubenwald II

Traditionsunternehmen sieht seine weitere Zukunft in Bensheim

Der Magistrat der Stadt Bensheim hat in seiner heutigen Sitzung den Weg für die Pläne zur Verlagerung der Sanner GmbH auf das Gelände an der Bertha-Benz-Straße im Stubenwald II freigemacht. Das letzte Wort hatte die Stadtverordnetenversammlung, die die Planungen in ihrer Sitzung am 17. September 2020 mehrheitlich freigegeben hat. Die Pläne wurden heute im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt.

Auslöser der Überlegungen ist das stetige Wachstum und der kontinuierliche Erfolg der Sanner Group, Weltmarktführer für Trockenmittel-Verpackungen für die Pharmaindustrie. Die Verantwortlichen sehen an ihrem jetzigen Standort in Auerbach keine Weiterentwicklungsmöglichkeit mehr. Daher habe man den Kontakt zur Stadt Bensheim und der MEGB gesucht, um die Eignung anderer Standorte in Bensheim auszuloten. „Wir wollen in Bensheim bleiben, hier hat unsere Erfolgsgeschichte begonnen, deshalb wollen wir den nächsten zukunftweisenden Schritt für unser Unternehmen auch hier gehen“, betonten Ute Sanner-Friedrich und Jürgen Sanner, Gesellschafter der Sanner-Gruppe.

Bürgermeister Rolf Richter hob die große Bedeutung der Firma Sanner für Bensheim als einen wichtigen Arbeitgeber mit langer Tradition hervor: „Nach eingehender Prüfung sehen wir in der Fläche im Stubenwald II den idealen Standort, um die Firma Sanner in Bensheim halten zu können“, sagte Richter und stellte gemeinsam mit Michael Schweiger vom Bensheimer Planungsbüro Schweiger und Scholz die geplanten Ausgleichsmaßnahmen vor: Durch gezielte Maßnahmen soll das vorgesehene Bauprojekt so gestaltet werden, dass der naturschutzrechtlich erforderliche Ausgleich auf der zu erwerbenden Fläche nahezu vollständig sichergestellt werden könne, so Michael Schweiger. Darüber hinaus soll auf bereits im Regionalplan festgeschriebene 3 Hektar Vorranggebiet für Siedlungsflächen verzichtet werden. Hierbei handelt es sich um Flächen in Zell und im Gebiet Fehlheim Südost.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass der Geltungsbereich der jetzt zur Debatte stehenden Fläche im Stubenwald vollständig innerhalb des Bebauungsplans Stubenwald II liegt. Das angedachte Areal war somit von vorneherein Teil des Stubenwald II. Ohnehin hat das Regierungspräsidium Darmstadt bereits 2013 einer Erweiterung des Gewerbegebiets nach dessen Umsetzung grundsätzlich zugestimmt. Die Erschließung ist dort ebenfalls bereits vorhanden.

Ute Sanner-Friedrich und Jürgen Sanner gingen auf die Historie des Unternehmens ein. 1894 als Korkschneiderei in Auerbach gegründet, stellt die Sanner-Gruppe heute im Wesentlichen hochwertige Verpackungen für Pharma-, Medizintechnik- und Healthcareprodukte sowie Nahrungsergänzungsmittel her. Am Standort Auerbach sind aktuell rund 225 Mitarbeiter beschäftigt, fast 90 Prozent der Belegschaft kommt aus einem Umkreis von 25 Kilometer, davon über ein Drittel aus Bensheim.

Dr. Johannis Willem van Vliet, Geschäftsführer der Sanner Gruppe, berichtete von einem Umsatzrekord in Höhe von 85 Millionen Euro im Jahr 2019 und einer positiven Entwicklung an den internationalen Standorten und vor allem auch in Bensheim. Umso mehr sieht er das Unternehmen jetzt gefordert, die Weichen für eine weiterhin erfolgreiche Zukunft zu stellen.

Allerdings seien Erweiterungen oder wesentliche bauliche Veränderungen am jetzigen Standort nicht mehr umsetzbar, so van Vliet, was das Firmenwachstum dort unmöglich mache. Das angedachte Areal im Stubenwald II entspricht in seinem Umfang der Fläche in Auerbach, es bestehen jedoch völlig andere Möglichkeiten, die Produktion und auch die Logistik zu organisieren.

Die Sanner-Verantwortlichen versprechen sich von einer Umsiedlung eine Steigerung des Produktionsoutputs durch Verwendbarkeit größerer Maschinen und Werkzeuge sowie die Möglichkeit, innovative Produkte und Technologien umzusetzen. Der Nachhaltigkeitsgedanke soll bei den Planungen des neuen Standorts eine wesentliche Rolle spielen. Dazu gehören zum Beispiel begrünte Dächer, Fassadenbegrünungen, umfangreiche Baum- und Staudenpflanzungen im Außenbereich, Hecken für Einfriedungen, naturnahe Grünlandeinsaat und Teichanlagen. Ebenso vorgesehen ist die Entwicklung eines Energiekonzeptes mit regenerativen Energien.

Für das Areal und das umliegende Wohngebiet in Auerbach würden die Planungen bedeuten: Auf dem jetzigen Betriebsgelände strebt die Sanner-Gruppe die Schaffung von Wohnraum an, 25 Prozent sollen sozialem Wohnungsbau vorbehalten sein. Sanner Ventures wird am Standort in Auerbach bleiben. Der Produktionslärm wäre passé, genauso der LKW-Verkehr. „Wir wollen ein familienfreundliches, ökologisch wertvolles und bezahlbares neues Quartier in Auerbach schaffen“, sagen Ute Sanner-Friedrich und Jürgen Sanner. Erste Stadträtin und Baudezernentin Nicole Rauber-Jung betonte: „Das Areal bietet ein großes Potenzial, das zu einer wesentlichen Entspannung auf dem Bensheimer Wohnungsmarkt beitragen wird. Wir wollen, dass dort Angebote für alle Altersgruppen geschaffen werden, dazu gehören barrierefreie und behindertengerechte Wohnungen. Auch eine neue Kita ist auf dem Areal geplant“, sagte Rauber-Jung.

Um die neue Wohnbebauung vor Lärm zu schützen, wäre bahnseitig eine Lärmschutzwand notwendig, was wiederum auch Vorteile für die bereits dort ansässigen AnwohnerInnen mit sich bringen würde. Formal muss es hierzu einen Bebauungsplan geben, über den noch beraten und entschieden werden muss.

„Dies ist ein wichtiges Projekt für Bensheim und eine Win-Win Situation sowohl für Sanner als auch für die Stadt. Dass hier in die Zukunft investiert werden soll, sehen wir gerade in Corona-Zeiten als sehr positives Signal“, sagte Bürgermeister Rolf Richter zum Abschluss der Pressekonferenz.